Über die Hälfte der mindestens 993 Hinrichtungen fand im Iran statt

Laut dem im April von Amnesty International veröffentlichten Todesstrafen-Bericht für das Jahr 2017 ist sowohl die Zahl der weltweiten Hinrichtungen als auch die Zahl der verhängten Todesurteile zurückgegangen. Das Teheraner Regime stellt sich diesem weltweiten Trend jedoch weiter entgegen.   

Das Teheraner Regime stellt sich dem weltweiten Trend zur Abschaffung der Todesstrafe weiter entgegen. Unter den Hinrichtungsopfern im Iran waren auch Minderjährige.

Nach Angaben von Amnesty International wurden im vergangenen Jahr mindestens 993 Hinrichtungen in 23 Ländern vollstreckt. China, wo schätzungsweise die meisten Hinrichtungen vollstreckt werden, ist nicht Teil der Gesamtstatistik, da es von dort keine verlässlichen Zahlen gibt.

Allein im Iran wurden mindestens 507 Hinrichtungen registriert. Damit war das Teheraner Regime für mehr als die Hälfte der weltweit erfassten Hinrichtungen verantwortlich. Die Dunkelziffer der Hinrichtungen im Iran liegt noch erheblich höher. Mindestens 31 Exekutionen wurden öffentlich vollstreckt. Amnesty International vermutet, dass im Jahre 2017 Hunderte Todesurteile in Iran gefällt wurden, konnte aber keine belastbaren Zahlen ermitteln.

Unter dem Teheraner Regime, so bestätigt auch Amnesty International, werden Menschen nach Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt werden, die nicht den internationalen Rechtsstandards für einen fairen Prozess entsprechen. Oft basieren Schuldsprüche und Todesurteile auf „Geständnissen“, die durch Folter oder Misshandlung erpresst werden. Im Iran wurden einige dieser „Geständnisse“ im Fernsehen übertragen, bevor der Prozess stattfand, wodurch das Recht der Angeklagten auf Unschuldsvermutung weiter beschnitten wurde.

Fünf der Hinrichtungsopfer waren dem Amnesty-Bericht zufolge zum Zeitpunkt der ihnen vorgeworfenen Tat noch minderjährig. Im Laufe des Jahres 2017 wurden weitere jugendliche Täter zum Tode verurteilt.

Die internationale Menschenrechtsgesetzgebung verbietet strikt die Anwendung der Todesstrafe gegen Personen, die bei Begehung der Tat noch keine 18 Jahre alt waren. Trotz zahlreicher internationaler Proteste beharrt das Teheraner Regime weiter auf der Hinrichtung von minderjährigen und verstößt damit gegen die weltweit gültige Menschenrechtsgesetzgebung.

mehr Information :  Die Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights (IHR) hat zusammen mit der französischen Organisation Ensemble Contre la Peine de Mort (ECPM) ihren Jahresbericht zur Todesstrafe im Iran veröffentlicht.
Demzufolge wurden 2017 im Iran mindestens 517 Menschen hingerichtet, ähnlich viele wie in 2016. Damit bleibt der Iran weiterhin das Land mit der höchsten Pro-Kopf-Hinrichtungsrate weltweit. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet wurden 2017 in keinem Land mehr Menschen hingerichtet als im Iran. In absoluten Zahlen übertrifft nur China den Iran.
Nur rund 20 Prozent der über 500 registrierten Exekutionen wurden durch offizielle Quellen bestätigt. Über 30 Todesurteile wurden öffentlich vollstreckt. Unter den Hingerichteten befanden sich mindestens fünf zum Tode Verurteilte, die zur Tatzeit minderjährig waren.
Laut den Angaben der Menschenrechtler wurden in der Amtszeit des sich nach außen moderat gebenden Regime-Präsidenten Rohani bereits mehr als 3200 Menschen im Iran hingerichtet.
Die Todesstrafe ist eine grausame und unmenschliche Strafe, die gegen das Grundrecht des Menschen auf Leben und Würde verstößt. Das islamistische Regime im Iran stellt sich dem weltweiten Trend zur Abschaffung der Todesstrafe weiter massiv entgegen und setzt seine grausame Hinrichtungspraxis fort. Tausenden Gefangenen im Iran droht die Hinrichtung, darunter auch politischen Gefangenen und Angehörigen von Minderheiten.
Die Unrechtsjustiz im Iran, die als Unterdrückungsinstrument des Regimes agiert, fällt täglich neue Todesurteile. Die Gerichtsprozesse entsprechen nie den internationalen rechtlichen Standards. Im Iran werden Menschen für Handlungen hingerichtet, die nach internationalem Recht überhaupt keine Straftat darstellen und auf gar keinen Fall die Todesstrafe nach sich ziehen dürfen. Oft basieren Todesurteile auf „Geständnissen“, die durch Folter erpresst werden. Nach Aussagen von UN-Experten kommt die Hinrichtungspraxis des Teheraner Regimes willkürlichen und damit gesetzwidrigen Tötungen gleich.
Menschenrechtsverteidiger haben die Europäische Union und den Europarat, die mehrfach ihre entschiedene Ablehnung der Todesstrafe in allen Fällen und unter allen Umständen bekräftigt haben, erneut aufgerufen, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, damit die Hinrichtungen im Iran ein Ende haben.

Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2017 (pdf, 360 KB)