Iranische Journalistin nach Hungerstreik in Lebensgefahr!

18. 04. 2017

Reporter ohne Grenze: “Unmenschliche und erniedrigende Haftumstände sind im Iran kein Einzelfall – gerade für Journalisten und andere politische Häftlinge. Ein Hungerstreik oft die einzige Möglichkeit für die Betroffenen, gegen ihre willkürliche Inhaftierung und die schlechten Bedingungen im Gefängnis zu protestieren.”

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG), die sich weltweit für Informationsfreiheit einsetzt, fordert die iranische Justiz auf, die seit mehreren Wochen willkürlich inhaftierte Journalistin Henghameh Schahidi sofort freizulassen. Schahidi ist seit ihrer Verhaftung am 9. März im Hungerstreik, inzwischen ist ihr Gesundheitszustand offenbar lebensbedrohlich.

In einer Pressemitteilung von Reporter ohne Grenzen heißt es u.a.:

„Henghameh Schahidi in ihrem derzeitigen Zustand weiterhin festzuhalten, ist völlig verantwortungslos. Leider ist ihre verzweifelte Lage im Gefängnis kein Einzelfall im Iran“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Sollte diese Journalistin im Gefängnis sterben, dann sind die Spitzen von Justiz und Geheimdienst im Iran dafür unmittelbar verantwortlich.“

Schahidi hat nach Angaben ihrer Mutter zwei Herzoperationen hinter sich. Sie wird in Einzelhaft in Abteilung 209 des Teheraner Evin-Gefängnisses festgehalten, die unter der Kontrolle des Geheimdienstministeriums steht. Was ihr vorgeworfen wird, ist unklar. Der Kontakt zu ihrem Anwalt wird ihr bislang verwehrt. Ihrer Mutter berichtete Schahidi in einem Telefonat vor wenigen Tagen, sie könne nicht mehr laufen, sondern nur noch auf dem Boden kriechen. Sie habe mittlerweile ein Testament verfasst und ihrem Verhörbeamten übergeben.

In einem per Instagram verbreiteten Brief, den sie für den Fall ihrer Verhaftung vorbereitet hatte, berichtete Schahidi, sie sei von staatlichen Stellen bedroht worden. Das Vorgehen gegen sie bezeichnete sie als Teil eines Planes, politische Aktivisten und Journalisten vor der Präsidentenwahl am 19. Mai zu verhaften, um den Sieg eines kompromisslos regimetreuen Kandidaten zu gewährleisten.

Unmenschliche und erniedrigende Haftumstände sind im Iran kein Einzelfall – gerade für Journalisten und andere politische Häftlinge. Ein Hungerstreik oft die einzige Möglichkeit für die Betroffenen, gegen ihre willkürliche Inhaftierung und die schlechten Bedingungen im Gefängnis zu protestieren. Alleine 2016 wehrten sich mindestens zehn kranke, inhaftierte Journalisten auf diese Weise dagegen, dass ihnen im Gefängnis eine angemessene medizinische Versorgung verweigert wurde.

Unabhängige Journalisten und Medien erleben im Iran ständige Einschüchterungsversuche der Behörden, willkürliche Verhaftungen und unfairen Gerichtsverfahren, an deren Ende oft lange Haftstrafen stehen. Zuletzt wurden etwa Morad Saghafi vom Magazin Goft-o-Gu sowie der Journalist und Übersetzter Ramin Karimian verhaftet und danach an unbekanntem Ort festgehalten.

Insgesamt sitzen im Iran derzeit mindestens 29 Medienschaffende wegen ihrer Tätigkeit im Gefängnis. Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht das Land auf Platz 169 von 180 Staaten.